Über widerspenstige und

fügsame Ziele

Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,

kennen Sie das: Sie legen sich ins Bett, wollen unbedingt schnell
einschlafen, weil Sie morgen gleich früh einen wichtigen Termin
haben … und das Einschlafen lässt auf sich warten. Je mehr Sie
es wünschen, desto weniger erreichen Sie es. In einem Essay
von Christopher von Bülow vom 20.12.2002 fand ich hierzu den
Begriff „widerspenstiges Ziel“.

Mit dem Wunsch nach Entspannung oder auch Sorgen loszulassen
oder auch glücklich zu sein verhält es sich oft ähnlich. Je mehr wir
es wollen, desto größer wird der Abstand, dieses „Ziel“ zu erreichen.
Zitat CvB: „Alles, was er tut, um sein Ziel zu erreichen, entfernt
ihn von diesem.“

Warum ist das so? Weil der Zweck der Zielerreichung außerhalb
der Handlung liegt.

Wenn wir im Gegensatz dazu sagen: „Es hat keinen besonderen
Zweck; ich gehe jetzt einfach ins Bett, weil ich müde bin oder Lust
dazu habe.“ liegt der Zweck in der Handlung selbst. Und das
Einschlafen oder Entspannen oder Sorgen loslassen oder glücklich
sein stellt sich von allein ein – ohne dass ich ganz bewusst darauf hingearbeitet habe.

Und was machen wir jetzt mit diesen widerspenstigen Zielen, wenn
sie uns im Kopf herum schwirren? Am besten widmen wir uns den so
genannten „fügsamen Zielen“. Unseren normalen Zielen sozusagen,
die ohne verstandesmäßige Verkrampfung oder durch Überwindung
sonstiger Behinderungen erreicht werden können. Das lenkt ab und
beruhigt.

Bei dem Einschlafversuch zum Beispiel könnten Sie sich gemütlich
im Bett liegend mit dem Thema des morgigen Termins beschäftigen
… und schlafen gut vorbereitet zufrieden ein. Bei der Suche nach
Entspannung könnten Sie sich einer Lieblingsaufgabe widmen …
und spüren plötzlich die innere Beruhigung. …

Ein schönes Beispiel für widerspenstige Ziele (oder eben externe
Zwecke) finden Sie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier.“
(USA 1993). Ein Fernsehmoderator erlebt denselben Tag immer
und immer wieder. Immer und immer wieder versucht er, seine
Kollegin rumzukriegen und scheitert. Schließlich gibt er auf und
kümmert sich stattdessen um seine fügsamen Ziele. … Das Ende
kennen Sie?

Mein großes Dankeschön geht an dieser Stelle nochmals an
Christopher von Bülow für die wunderbaren Begriffsklärungen in
seinem Essay im Rahmen der Vorlesung „Grundbegriffe der
Praktischen Philosophie“ bei Prof. G. Seebaß.

Ihnen allen wünsche ich für die kommende Woche und auch sonst
schöne viele fügsame Ziele und … dass Sie so nebenbei auch Ihre widerspenstigen Ziele erreichen.

Herzliche Grüße
Gabriela Linne

10. April 2013


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